Neu starten - was tun?

In einem Ort gibt es seit längerem keine Jungschar mehr - oder hat es sie noch nie gegeben. Zwar wohnen viele Kinder am Ort, doch es fehlen Ideen und Mitarbeitende, die eine Gruppe leiten wollen. Was also tun?

Initiativgruppe gründen

Zuerst einmal ist es wichtig, dass eine Handvoll Menschen sich des Themas annimmt. Menschen, denen es ein Anliegen ist, etwas für die Kinder am Ort zu tun. Zusammen im kleinen Team kann mehr bewegt werden, können Ideen gesponnen werden.

Welches Angebot?

Oft ist es schwierig, Mitarbeitende für eine kontinuierliche Gruppenarbeit zu finden. Vielen ist das zu viel in ihrer derzeitigen Lebenssituation, weil sie in Schule, Beruf, Ausbildung oder in der Familie stark eingespannt sind. Dagegen ist es oft leichter, Menschen für kurze, zeitlich befristete Projekte zu gewinnen. Möglichkeiten für solche Projekte sind z.B.: Ein Kindernachmittag im Gemeindehaus, Samstagsbrunch für Kids, ein Spielenachmittag beim Schülerferienprogramm. Diese Angebote erstrecken sich nur über einen Nachmittag (meist am Wochenende oder in den Ferien) und erleichtern es vielen, mitzuarbeiten.

Menschen gewinnen

Wichtig ist es, dass man Unterstützung von seiner Kirchengemeinde / von seinem CVJM hat. Deshalb sind Menschen aus den Leitungspositionen gute Ansprechpartner, die man entweder selbst zur Mitarbeit oder als Multiplikatoren gewinnen kann. Über solche Menschen, die andere zur Mitarbeit bewegen können, lassen sich schnell Kontakte knüpfen, z.B. zu Mitarbeitenden in der Kinderkirche, zu Konfirmanden oder Schülern. Und diese sind oftmals bereit, zusätzlich zu ihrem Einsatz, bei einem Projekt mitzuarbeiten. Junge Eltern, besonders auch Mütter, die wegen ihrer kleinen Kinder keine längerfristige Mitarbeit möchten, sind auch leicht zu gewinnen, vor allem, wenn sie schon einmal in der Kirchengemeinde aktiv waren. Es fällt ihnen leichter, sich zu engagieren, wenn eine Kinderbetreuung organisiert ist, oder wenn sie ihre Kinder mitbringen können. Ebenso haben Eltern, die Kinder im Alter unserer Zielgruppe haben, ein offenes Ohr, wenn wir sie zur Mitarbeit ansprechen. Ein großes Potential liegt auch bei Neuzugezogenen in der Gemeinde, gerade wenn sie sich in ihrer ehemaligen Gemeinde engagiert haben und durch ihren Umzug für neue Aufgaben frei geworden sind.

Wie geht es weiter?

Gerade wenn das Projekt gelungen war, wäre es schade, wenn es eine einmalige Sache geblieben wäre. Deshalb eine Fortsetzung einplanen, z.B. einen Kindernachmittag viermal im Jahr, oder in jeden „kleinen" Ferien eine Ferienbetreuung anbieten. Die Mitarbeitenden sollten auf jeden Fall darauf angesprochen werden, ob sie sich weiter in irgendeiner Form engagieren möchten. Und wer weiß, vielleicht entsteht daraus ja auch eine neue Jungschargruppe.

Zum Schluss - eigene Erfahrungen

In unserer neuen Gemeinde gab es kaum Aktivitäten für Kinder. Aus Anlass der Einweihung des neuen Gemeindehauses haben wir einen Kindernachmittag organisiert. Gemeinsam mit einem Kernteam von drei Mitarbeitenden wurde das Projekt inhaltlich und organisatorisch vorbereitet. Der Hauptprogrammpunkt war das Hausspiel „Komm, freu dich mit mir". Innerhalb von zwei Monaten konnten wir 20 Leute zur Mitarbeit bewegen. Der Kindernachmittag war ein Erfolg: es kamen über 50 Kinder, denen das Angebot großen Spaß gemacht hat. Die Mitarbeitenden waren ebenfalls sehr zufrieden, da alles gut geklappt hatte. Das größte Lob war die Reaktion mancher Kinder: „Gibt es so etwas jetzt jeden Freitagnachmittag?". Vor kurzem haben nun zwei neue Jungschargruppen begonnen.

Aus „Jungscharleiter 3/2004“ - der Arbeitshilfe für Jungschar-MitarbeiterInnen erhältlich bei Buch und Musik (EJW Landesstelle)

Harald Kraus