Du siehst mich

 

„Du siehst mich“– so lautet das Motto des diesjährigen Kirchentages „auf dem Weg“, der vom 24.-28.5. in Berlin, Wittenberg und 6 anderen Stätten der Reformation in Thüringen stattfindet.

„Du siehst mich“ –  das ist die Geschichte von Hagar, einer jungen Frau aus dem Alten Testament, die, von Abram geschwängert, vor ihrer Herrin Sarai, selbst kinderlos, flieht. Ein Engel stellt sich ihr in den Weg und fordert sie auf, zurückzukehren zu ihrer Herrin… Eigentlich unvorstellbar, wird Hagar doch ermahnt, sich Sarai „zu unterwerfen“. Doch was für uns heute so undenkbar erscheint, ist für Hagar schon Rettung genug: „Ich werde gesehen, wahrgenommen – so wie ich bin.“

Gesehen werden – das wollen, das brauchen wir alle – immer wieder. Kinder und Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenwerden, Erwachsene – zwischen Beruf, Familie und Ehrenamt.

Gesehen werden -  die vielen Selfies, die in den Social Medias gepostet und in die Welt geschickt werden – zeugen davon, wie wichtig es ist, gesehen, geliked, bestätigt zu werden…

Doch wirklich wahrgenommen und angenommen zu sein, geht viel tiefer. Von Gott gesehen zu werden, begründet die Würde von uns Menschen als Geschöpfe Gottes – als seine Kinder.

Gesehen zu werden, so wie wir sind, das ist mehr als nur eine biblische Zusage, das betrifft unsere ganze Existenz – und drückt Anerkennung aus. Und die brauchen wir-immer wieder und immer neu.

#no filter – so haben  wir das Thema unseres diesjährigen Konficamp überschrieben. Schöner, besser, anders wahrgenommen werden, das wahre Gesicht noch „verbessern zu wollen“, gesehen zu werden, Likes zu sammeln – ein Streben nach Bestätigung, das im www keine ist – Filter um jeden Preis?

Nein – es braucht keine Filter, es braucht kein besonderes Gesicht, das nicht mal das Eigene ist.

Gott sieht uns, so wie wir sind – das zu erkennen und sich daran zu halten, sich aufbauen zu lassen, wie Hagar es tat: „Du siehst mich“ – das ist der Gedanke, den wir unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden mit auf den Weg geben wollen.

Du siehst mich – das ist die Botschaft, die vom deutschen Evangelischen Kirchentag ausgehen soll. Ein durchaus reformatorische Botschaft. Martin Luther hat darum gerungen und das Angenommen sein, allein aus der Gnade Gottes zum weltumfassenden Gedanken der Reformation werden lassen.

Auch wir sind von Gott angenommen – einfach so, seien wir Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

 

-Eure / Ihre Jugendpfarrerin Susanne Stephan