Weihnachtsreifen

 

Kürzlich habe ich eine Satire gelesen. Diese befasste sich mit dem Thema ‚Weihnachtsreifen‘. Der Schreiber beklagte darin, dass sich unsere Sprache immer mehr von ihren Traditionen entfernt und christliche Begriffe zunehmend neutralisiert werden. Als aktuelles Beispiel nannte er den Weihnachtsreifen. Mit Entsetzen, so der Autor, musste er von seinem Reifenhändler erfahren, dass es keine Weihnachtsreifen (mehr) gibt, sondern diese Winterreifen heißen würden.

 

Eine Geschichte zum Lachen?

 

Da bin ich mir gar nicht so sicher. Tatsächlich kommt es mir so vor, dass unsere traditionellen christlichen Begriffe in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung verlieren. Oder sie werden durch neue Begriffen ersetzt. So gibt es in manchen unserer Veranstaltungen keine Andacht mehr, sondern einen Impuls. Das seelsorgerliche Gespräch wird zum persönlichen Gespräch und die Gebetszeit wird zur Zeit der Stille.

In manchen Fällen ist es ganz sicher gut und notwendig, dass wir un- und missverständliche Begriffe durch neue, verständlichere Begriffe ersetzen.

Jedoch müssen diese neuen Begriffe auch den Inhalt wiedergeben, den der ursprüngliche Begriff hatte. Gebet ist nun mal etwas anderes als Stille.

 

Ganz fatal ist es, wenn durch neue Begriffe gesamte Inhalte neu definiert werden. Ein deutliches Beispiel hierzu ist für mich Weihnachten. Feiern wir zu Weihnachten eigentlich das Fest der Geburt des Gottessohnes, so ist Weihnachten heute zu Tage für viele nur noch das Fest der Liebe. Begreifen wir eigentlich, dass hier der gesamte Inhalt neu gedeutet wird?

Ganz klar, die Geburt des Gottessohnes war ein unglaublicher Liebesakt des Schöpfers gegenüber seinen Geschöpfen. Aber Weihnachten ist so viel mehr!

Wenn ich Weihnachten auf die Liebe beschränke, vergesse ich, warum dieser Liebesakt überhaupt notwendig wurde: Gott musste die Trennung zwischen ihm und seinen Geschöpfen überwinden. Um dies zu erreichen, musste er sich letztendlich sogar kreuzigen lassen.

Doch leider ist für viele Menschen Weihnachten ein Fest des Gefühls, der Emotionen, geworden. ‚Ohne Schnee ist für mich nicht Weihnachten‘; ‚der Baum gehört unbedingt dazu‘; Weihnachten ohne Geschenke? Das geht gar nicht‘…

Jeder kennt diese oder ähnliche Aussagen.

Alle diese Traditionen haben ihre Berechtigung und ihren Sinn. Jedoch machen sie nicht Weihnachten aus. Vielleicht sollten wir uns wieder neu daran erinnern, was die Bibel zu Weihnachten sagt:

 

Doch obwohl die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannte die Welt ihn nicht, als er kam.

11 Er kam in die Welt, die ihm gehört, und sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf.

12 All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.

13 Sie wurden dies weder durch ihre Abstammung noch durch menschliches Bemühen oder Absicht, sondern dieses neue Leben kommt von Gott.

14 Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns. Er war voll Gnade und Wahrheit und wir wurden Zeugen seiner Herrlichkeit, der Herrlichkeit, die der Vater ihm, seinem einzigen Sohn, gegeben hat.

Johannesevangelium Kapitel 1, Verse 10 – 14, Übersetzung: Neues Leben

 

Ich wünsche euch in diesem Sinne eine gesegnete Advents-und Weihnachtszeit

 

Euer Jürgen Kohnert (Koki)

 

P.S.: Ich mache mich jetzt gleich mal auf die Suche nach Restbeständen von Weihnachtsreifen. Die muss ich einfach haben.